Gespalten beim Vertrauen in Wahlumfragen

Beitrag von: Hermann Binkert

Wer regelmäßig die Stimmung der Bevölkerung misst, möchte natürlich auch wissen, wie groß das Vertrauen in die Ergebnisse von Wahlumfragen grundsätzlich ist. Die Befragten sind hier klassisch gespalten: Jeweils 42 Prozent der Befragten vertrauen den Ergebnissen von Wahlumfragen bzw. vertrauen ihnen nicht. Die relative Mehrheit der Männer (45 Prozent zu 42 Prozent) vertraut Wahlumfragen, befragte Frauen sind gespalten (39 Prozent Vertrauen zu 41 Prozent Misstrauen). Die relative Mehrheit der 30- bis 59-Jährigen vertraut Wahlumfragen, die relative Mehrheit der unter 30-Jährigen und der über 60-Jährigen nicht. Die knappe relative Mehrheit der Westdeutschen (43 Prozent zu 40 Prozent) vertraut Wahlumfragen, die relative Mehrheit der Ostdeutschen (48 Prozent zu 38 Prozent) vertraut Wahlumfragen nicht. Überwiegend skeptisch gegenüber den Ergebnissen von Wahlumfragen sind die Wähler der AfD (57 Prozent) und des BSW (47 Prozent). Die Wähler aller anderen Parteien vertrauen mehrheitlich den Ergebnissen der Umfragen. Wie man es aber auch dreht und wendet, es gibt eine große Skepsis gegenüber Wahlumfragen. Fälschungen, wie wir sie von INSA in dieser Woche erleben mussten, als angebliche Umfragezahlen von uns im Netz veröffentlicht wurden, tragen sicher nicht zu mehr Vertrauen bei. Wir bemühen uns durch breite Transparenz, dem Misstrauen entgegenzuwirken. Und wir gehen auch gegen Fälschungen vor.

Wie groß der Wunsch nach Veränderung in der deutschen Politik ist, zeigen die Antworten, ob man eine politische Veränderung für notwendig erachtet: 87 Prozent der Befragten tun dies, nur neun Prozent nicht. Hier gibt es über fast alle soziodemografischen Merkmale hinweg zumindest relative Mehrheiten, die die Notwendigkeit nach einer Veränderung in der deutschen Politik bejahen.

Ein wesentlicher Grund für den großen Wunsch nach politischer Veränderung liegt sicher auch in der Angst um die eigene soziale Situation. 43 Prozent der von uns Befragten rechnen mit einer Verschlechterung dieser. Nur 22 Prozent erwarten eine Verbesserung und 30 Prozent rechnen nicht mit keiner Veränderung ihrer aktuellen sozialen Situation.

Außer bei den unter 40-Jährigen gibt es in allen Altersgruppen, bei Männern und Frauen, in West und Ost sowie unabhängig des eigenen Haushaltsnettoeinkommen immer relative Mehrheiten, die mit einer Verschlechterung der sozialen Situation rechnen. Auch die Wähler der AfD, der Linkspartei und des BSW rechnen deutlich mehrheitlich mit einer Verschlechterung ihrer sozialen Situation in den nächsten zwölf Monaten. Wer politisch überzeugen will, muss diese Sorge ernst nehmen.

Weitere Informationen

INSA-Stiftung gGmbH
Hermann Binkert
Geschäftsführer

Arndtstraße 1, 99096 Erfurt
Telefon: +49 361 / 38 03 95 70
Telefax: +49 361 / 6 44 31 11