Was man besser machen würde, sollte man nicht verschweigen.
Beitrag von: Hermann Binkert
Fast sechs von zehn Befragten (59 Prozent) haben schon einmal ihre Meinung nicht gesagt, um niemanden zu verärgern oder Nachteile zu vermeiden. Nur halb so viele (29 Prozent) haben ihre Meinung aus diesen Gründen noch nie verschwiegen. Wir wissen um die Verzerrung, die soziale Erwünschtheit mit sich bringen kann. Deshalb stellen wir keine suggestiven Fragen und verzichten darauf, Positionen zu protegieren oder zu diffamieren.
Dass viele in Deutschland aus diesen Gründen, ihre Meinung zu sagen, sollte ernst genommen werden. Denn grundsätzlich ist die überwältigende Mehrheit (78 Prozent) davon überzeugt, dass Deutschland sich insgesamt positiv entwickeln würde, wenn die aus ihrer Sicht richtige Politik gemacht werden würde. Dies deute ich so, dass man die Lage Deutschlands nicht aussichtslos ansieht, sondern man lediglich die derzeitige Richtung der aktuellen Politik mehrheitlich nicht teilt. Bedauernswert ist es dann aber, wenn man das, was man meint, nicht sagt, weil man niemanden verärgern möchte oder Angst hat, dass das Äußern der eigenen Meinung Nachteile mit sich bringen könnte.
Zurückhaltend sind viele auch, wenn es darum geht, kriminelle Handlungen, deren Opfer man wurde, bei der Polizei anzuzeigen. Drei von zehn Befragten (30 Prozent) sagen uns, dass ihnen schon einmal kriminelle Handlungen widerfahren sind, die sie nicht angezeigt haben, weil sie sich davon keinen Erfolg versprachen. Das dokumentiert sowohl ein Misstrauen gegenüber dem Erfolg polizeilicher Ermittlungen als auch die hohe Dunkelziffer an Kriminalität, die sich in keiner öffentlichen Statistik wiederfindet. Es ist wichtig, dass immer mehr Leute wieder häufiger sagen, was sie wirklich denken und auch darauf vertrauen (können), dass Recht und Ordnung in diesem Staat umgesetzt werden.
