Friedrich Merz ohne Kanzlerbonus
Beitrag von: Hermann Binkert
Die drei Landtagswahlen im September in Ostdeutschland könnten die politische Landschaft deutlich verändern. In Sachsen-Anhalt könnte der AfD-Spitzenkandidat Ministerpräsident und in Berlin die Linke-Spitzenkandidatin Regierende Bürgermeisterin werden. Und wenn das so kommt und Manuela Schwesig in Mecklenburg-Vorpommern Ministerpräsidentin bliebe, dann könnte sie Bärbel Bas und Lars Klingbeil an der SPD-Spitze ablösen. Wir stehen also vor spannenden Wahlen. Deshalb wollten wir wissen, wie die Befragten abstimmen würden, wenn in ihrem Bundesland Landtagswahlen stattfänden. Das Ergebnis im Bundesschnitt sähe ähnlich aus wie bei einer zeitgleich stattfindenden Bundestagswahl. Interessant ist der Blick auf die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. Die CDU steht im Schnitt im Osten, inklusive Berlin, nur noch bei 14 Prozent, die AfD bei 40 Prozent. Die SPD kommt im Osten im Schnitt nur noch auf elf Prozent. Nur noch jeder vierte Ostdeutsche hat vor, bei einer Landtagswahl für eine der beiden Regierungsparteien im Bund zu stimmen. Die Landesverbände der Parteien werden argumentieren, dass ihnen die schlechte Stimmung auf Bundesebene schade. Das stimmt. Aber ebenso stimmt, dass es den Landesverbänden von CDU und SPD nicht gelingt, diesen Trend vor Ort mit eigenen Themen und Personen zu drehen. Die Linkspartei und insbesondere die AfD können mit überzeugenden Wahlergebnissen rechnen und vielleicht sogar in Regierungsverantwortung kommen. Allen Parteien gelingt es ganz überwiegend, die Stimmen, die sie bei einer Bundestagswahl bekämen, auch bei einer Landtagswahl für sich zu überzeugen.
Ein Problem der Union kann man beim Namen nennen. Es heißt Friedrich Merz. Drei Viertel der Befragten sind mit seiner Arbeit unzufrieden und nur jeder Sechste (17 Prozent) würde bei einer hypothetischen Kanzlerdirektwahl für ihn stimmen, wenn die AfD-Vorsitzende seine Gegenkandidatin wäre.
Auch Weidel käme nur auf 29 Prozent, aber das sind immerhin zwölf Prozentpunkte mehr als bei Merz. Fast jeder Zweite (48 Prozent) möchte weder für Weidel noch für Merz bei einer Kanzlerdirektwahl stimmen. Aufschlussreich ist, dass es Alice Weidel gelingt 86 Prozent der AfD-Wähler von sich zu überzeugen. Friedrich Merz überzeugt nicht einmal jeden zweiten Unionswähler (48 Prozent).
Wäre nicht Bundeskanzler Friedrich Merz, sondern dessen Rivale, der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst, der Gegenspieler von Alice Weidel, dann stünde er acht Prozentpunkte besser da als Merz, käme auf 25 Prozent. Aber auch Weidel würde sich um zwei Prozentpunkte auf 31 Prozent verbessern. 36 Prozent würden weder für Weidel noch für Wüst stimmen. Innerhalb der Unionswählerschaft würden 53 Prozent für Wüst stimmen, fünf Prozentpunkte mehr als für Merz. Weidel käme unter den AfD-Wählern auf 87 Prozent.
Noch ist offen, ob Friedrich Merz bei der nächsten Bundestagswahl erneut für die CDU antritt. Seine derzeitig sehr mauen Werte, nähren die Vermutung, dass die Union wahrscheinlich mit fast jedem anderen Kandidaten besser abschneiden würde als mit dem amtierenden Kanzler. Noch sind wir in der ersten Hälfte der Legislaturperiode, aber es bräuchte wahrscheinlich ein Wunder, dass Friedrich Merz mit einem Kanzlerbonus in den nächsten Wahlkampf einsteigen könnte.
