Jeder Dritte erwartet, dass die AfD in Sachsen-Anhalt gut regiert – fast jeder Zweite erwartet, dass sie schlecht regiert
Beitrag von: Hermann Binkert
Der Bundeskanzler wird vom Deutschen Bundestag gewählt. Er benötigt die Zustimmung der absoluten Mehrheit der Abgeordneten. Bei der letzten Bundestagswahl im Februar 2025 erreichten CDU/CSU und SPD mit zusammen 45 Prozent der Wählerstimmen eine parlamentarische Mehrheit. Wenn der Bundestag derzeit neu gewählt würde, müssten Union und SPD noch einen weiteren Partner – etwa Bündnis90/Die Grünen – dazugewinnen, um auf eine parlamentarische Mehrheit zu kommen.
Wenn es möglich wäre, den Bundeskanzler direkt wählen zu können und man vor die Wahl zwischen Friedrich Merz und Alice Weidel gestellt würde, votieren 45 Prozent „für keinen davon“. Jeder Sechste (17 Prozent) würde für den aktuellen Amtsinhaber Friedrich Merz stimmen, fast jeder Dritte (31 Prozent) für die Herausforderin von der AfD, Alice Weidel. Interessant ist, dass neun von zehn Wähler der AfD (89 Prozent) für Alice Weidel stimmen würden, aber nur jeder zweite Unionswähler (50 Prozent) für Friedrich Merz.
Wenn statt Merz der derzeitige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst, Kanzlerkandidat der CDU/CSU wäre, würden 29 Prozent für ihn stimmen, 30 Prozent für Weidel und 31 Prozent „für keinen davon“. Wüst käme übrigens auf 55 Prozent Zustimmung unter den Unionswählern.
Im Gespräch um die Nachfolge des Bundeskanzlers ist auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Mehr als jeder Dritte (34 Prozent) würde für ihn stimmen, gut jeder Vierte (26 Prozent) für Alice Weidel und knapp jeder Dritte (32 Prozent) kann sich für keinen davon erwärmen. Fast drei Viertel der Unionswähler (73 Prozent) würden für Söder stimmen und 83 Prozent der AfD-Wähler für Weidel. Für die Wähler wäre der CSU-Chef derzeit der attraktivste Kanzlerkandidat der Union.
Jeder Kanzlerkandidat von Union und SPD hat damit zu kämpfen, dass ihre Parteien zwar bisher alle Kanzler der Bundesrepublik Deutschland gestellt haben, die Zahl der enttäuschten Wähler aber sehr hoch ist. Jeder vierte Wähler, der jemals CDU/CSU (26 Prozent) und/oder SPD (25 Prozent) bei einer Bundestagswahl gewählt hat, ist von ihr bzw. von ihnen so enttäuscht worden, dass er sie nie wieder wählen würde. 47 Prozent derjenigen, die aktuell für die AfD stimmen würden, sind enttäuschte Unionswähler. Und 38 Prozent derjenigen, die aktuell für die AfD stimmen würden, sind enttäuschte SPD-Wähler. Ohne die Enttäuschung mit den früher großen Volksparteien CDU/CSU und SPD wäre die AfD heute nicht mit großem Abstand die stärkste politische Kraft in allen aktuellen Umfragen.
Höher als der Zuspruch für die AfD in der aktuellen bundesweiten Sonntagsfrage (29 Prozent) ist die Erwartung, dass die AfD, falls sie in Zukunft die Landesregierung in Sachsen-Anhalt führen sollte, eher gut regiert. Fast jeder dritte bundesweit Befragte (32 Prozent) rechnet mit einer eher guten Regierungsarbeit der AfD. Die relative Mehrheit, knapp jeder Zweite (47 Prozent) rechnet mit einer eher schlechten Regierungsbilanz. 86 Prozent der AfD-Wähler rechnen mit einer guten Regierungsarbeit ihrer Partei, aber auch etwa jeder dritte Wähler des BSW (35 Prozent) und der FDP (31 Prozent) ist dieser Ansicht. Die absolute Mehrheit der Wähler von CDU/CSU (65 Prozent), SPD (70 Prozent), Grünen (79 Prozent) und Linkspartei (78 Prozent) erwartet von der AfD jedoch schlechtes Regieren. Es gibt große Befürchtungen im Blick auf die AfD als Regierungspartei. Übertroffen werden diese schlechten Erwartungen aber noch von den schlechten Bewertungen der aktuellen schwarz-roten Regierungsarbeit. Alles ist mit allem verbunden, auch in der Politik.
