CDU/CSU hat ihre Wähler am meisten enttäuscht
Beitrag von: Hermann Binkert
Die drei Landtagswahlen im September waren insbesondere für die CDU niederschmetternd. Deutliche Verluste in allen Ländern und in Mecklenburg-Vorpommern scheiterte die CDU sogar an der Fünf-Prozent-Hürde. Sie ist nunmehr im Nordosten in der außerparlamentarischen Opposition (APO). Falls Bundeskanzler Friedrich Merz zurücktritt, ist annährend jeder Zweite (45 Prozent) für Neuwahlen. Fast jeder Dritte (31 Prozent) spricht sich dafür aus, dass CDU/CSU und SPD im Bundestag einen neuen Bundeskanzler wählen und jeder Zehnte (10 Prozent) ist für die Bildung einer CDU/CSU-Minderheitsregierung, die sich von der AfD tolerieren lässt. Vor allem Wähler der AfD (67 Prozent), des BSW (62 Prozent), der Linkspartei (58 Prozent) und der FDP (48 Prozent) sind für Neuwahlen. Wähler der CDU/CSU (56 Prozent), der Grünen (55 Prozent) und der SPD (54 Prozent) sind für die Wahl eines neuen Bundeskanzlers mit der bestehenden schwarz-roten Mehrheit. Es gäbe also bei den Wählern der Parteien, die einen neuen Bundeskanzler im Bundestag wählen müssten, eine mehrheitliche Akzeptanz für diesen Schritt.
Von den vier Kandidaten, die für die Merz-Nachfolge häufig genannt werden – Markus Söder, Hendrik Wüst, Boris Rhein und Alexander Dobrindt – , möchte die relative Mehrheit von 39 Prozent keinen dieser Politiker als Nachfolger. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat aber von allen Kandidaten noch den relativ größten Rückhalt in der Bevölkerung. Jeder Fünfte (20 Prozent) sähe ihn am liebsten als Nachfolger von Bundeskanzler Merz. Jeder Siebte (14 Prozent) nennt den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst, sechs Prozent Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und drei Prozent den hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein. Wenn man diejenigen außer Acht lässt, die keinen der vier Kandidaten bevorzugen, schneidet Markus Söder auch bei den Wählern von Union (37 Prozent), SPD (26 Prozent), FDP (32 Prozent), des BSW (17 Prozent) und AfD (16 Prozent) am besten ab. Die Wähler der Grünen favorisieren von allen vier Politikern Hendrik Wüst (31 Prozent) und jene der Linke sind gespalten zwischen Hendrik Wüst (13 Prozent) und Markus Söder (12 Prozent). Betrachtet man allerdings auch die Option, dass keiner der vier Kandidaten favorisiert wird, dann wählen Grünen-Wähler diese Option relativ- und jene der Linke, des BSW (je 54 Prozent) und der AfD (58 Prozent) sie absolut-mehrheitlich. Wähler der SPD sind dann gespalten zwischen dieser Option (27 Prozent) und Hendrik Wüst (26 Prozent). Markus Söder verbleibt nur bei der eigenen Wählerschaft und jener der FDP die häufigste Antwort.
Zu diesem Ergebnis passt, dass die absolute Mehrheit der Befragten (54 Prozent) meint, dass die CDU/CSU ihre Wähler in der aktuellen Legislaturperiode (seit 2025) bisher am meisten enttäuscht hat. Jeder Siebte (14 Prozent) nennt die SPD und jeder Zehnte (10 Prozent) die AfD. Interessant: Die Mehrheit der Wähler aller Parteien – auch die der CDU/CSU – sind der Meinung, die Union habe ihre Wähler in den letzten gut eineinhalb Jahren am meisten enttäuscht. Man kann das Vertrauen seiner Wähler mit gebrochenen Wahlversprechen und enttäuschten Erwartungen sehr schnell verlieren. Es wieder zu gewinnen ist deutlich schwieriger. Die Zukunft der Union entscheidet sich daran, ob sie den Willen und die Kraft hat, diesen Abwärtstrend umzukehren. Der bei den drei September-Wahlen deutlich gewordene dramatische Vertrauensverlust der CDU kam nicht überraschend. Wer die demoskopischen Befunde zuvor ernst nahm, der wusste, wohin die Reise geht. Die Krise der CDU ist existenzgefährdend und ein „weiter so“ wird für die Partei dramatisch enden. Jetzt kommt es darauf an, ob sie noch Politiker hat, die den Mut aufbringen, daran etwas zu ändern.
