Mehrheit glaubt an die Wirkung ihrer Wählerstimme
Beitrag von: Hermann Binkert
Am 6. September wählen die Bürger in Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Die AfD wird mit großem Abstand die stärkste politische Kraft werden. Die zweitplatzierte CDU hat dann eine Chance, weiter den Ministerpräsidenten zu stellen, wenn außer AfD, CDU und Linkspartei auch noch SPD und Bündnis90/Die Grünen in den Landtag einziehen und bei der Ministerpräsidentenwahl für den Amtsinhaber Schulze stimmen. Die AfD müsste stärker werden als CDU, Linke, SPD, Grüne und BSW, falls alle diese Parteien den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde schaffen, um sich eine parlamentarische Mehrheit zu sichern. Wichtiger als die reine Stärke der einzelnen Parteien werden dann die möglichen Konstellationen. Die Fünf-Prozent-Hürde könnte, je mehr Parteien daran scheitern, eine parlamentarische Mehrheit der AfD ermöglichen.
Die Mehrheit der von uns bundesweit Befragten (53 Prozent) ist für die Beibehaltung der Fünf-Prozent-Hürde, fast jeder Fünfte (21 Prozent) plädiert für eine Drei-Prozent-Hürde und nur jeder Zehnte (10 Prozent) lehnt jede Prozenthürde ab. Männer, Ältere und Bezieher höherer Haushaltsnettoeinkünfte sind häufiger für die Fünf-Prozent-Hürde als Frauen, Jüngere und Bezieher niedrigerer Haushaltsnettoeinkünfte.
Wir wissen, dass die Fünf-Prozent-Hürde das Wahlverhalten verändert. Viele Wähler wollen verhindern, dass ihre Stimme verloren geht (Fallbeileffekt) und geben ihre Stimme deshalb ihrer zweiten Präferenz. Wir haben herausgefunden, dass Parteien wie die FDP und das BSW ohne Fünf-Prozent-Hürde mit deutlich besseren Ergebnissen rechnen könnten, als dies derzeit der Fall ist.
Die große Mehrheit aller Befragten (60 Prozent) glaubt, dass ihre Stimmabgabe bei der Bundestagswahl etwas bewirkt. Nur gut jeder Vierte (27 Prozent) ist anderer Meinung. Auch hier kommt es bei Männern, Älteren, aber auch Westdeutschen noch etwas häufiger vor, dass sie an die Wirkung ihrer Wählerstimme glauben. Auch die Mehrheit der Wähler aller Parteien geht davon aus, dass ihre Stimme wirkt. Dass man mit seinem Wählervotum etwas bewegen kann, macht den Wahltag zu einem Fest der Demokratie.
